Materialbedarfsplanung ist ein Systemansatz zur Planung und Verwaltung benötigter Materialien und Bauteile.

Zusammenfassung:
Bedarfsermittlung stellt sicher, dass Materialien und Vorprodukte ohne Fehl- oder Überbestände zur richtigen Zeit in passender Menge und Qualität verfügbar sind. Sie umfasst die Einordnung von Primär-, Sekundär- und Tertiärbedarf sowie die Ableitung von Brutto- und Nettobedarf. Je nach Ausgangslage kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz. In der Prozessindustrie sind dabei Anforderungen wie MHD, Chargenreinheit und GMP-konforme Rückverfolgbarkeit entscheidend.
Das Lager platzt aus allen Nähten, doch ausgerechnet der entscheidende Rohstoff für die morgige Charge fehlt. Dieses Szenario ist der Albtraum vieler Unternehmen in der Prozessindustrie. Fehlbestände führen zu teuren Produktionsstillständen, während Überbestände unnötig Kapital binden und das Risiko von Verderb erhöhen.
Die Lösung liegt in einer präzisen Planung. Besonders für KMU in der Chemie-, Pharma-, Food- oder Kosmetikbranche ist der Spagat zwischen Lieferfähigkeit und Kosteneffizienz entscheidend. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie Ihren Materialfluss optimieren.
Die Bedarfsermittlung ist ein zentraler Teilbereich der Materialwirtschaft. Ihre Aufgabe ist es, exakt zu bestimmen, welche Mengen an Materialien zu welchem Zeitpunkt benötigt werden, um die Produktion sicherzustellen oder Kundenaufträge zu bedienen.
Oft werden die Begriffe verwechselt: Während die Bedarfsanalyse eher marktorientiert ist und fragt, wie viel Produkt verkauft werden könnte, befasst sich die Bedarfsermittlung operativ mit den internen Ressourcen: Was müssen wir einkaufen oder produzieren, um diesen Bedarf zu decken?
Die Ziele der Bedarfsermittlung lassen sich auf einen einfachen Nenner bringen: Das richtige Material zur richtigen Zeit am richtigen Ort und in der richtigen Qualität.
Warum ist das gerade in der Prozessindustrie so kritisch?
Um den Bedarf zu planen, gilt es, diesen zunächst zu kategorisieren:
Die Summe dieser Bedarfe ergibt den Bruttobedarf. Zieht man davon die aktuellen Lagerbestände ab, erhält man den Nettobedarf, also das, was tatsächlich beschafft werden muss.
Es gibt verschiedene Methoden der Bedarfsermittlung, die je nach Gut und Branche variieren. Hier sind die gängigsten Verfahren zur Bedarfsermittlung:
Wie sieht das konkret aus? Hier zwei Szenarien, wie Sie eine Bedarfsermittlung berechnen:
Beispiel 1: Deterministisch mit Stückliste
Ein Kosmetikhersteller plant 2.000 Tiegel Creme. Laut Rezeptur (Stückliste) enthält ein Tiegel 50 ml Emulsion.
Berechnung: 2.000 Tiegel x 50 ml = 100.000 ml (100 Liter) Emulsion. Das ist der Sekundärbedarf.
Beispiel 2: Stochastisch mit Sicherheitsbestand
Ein Bedarfsermittlung Beispiel für Reinigungsmittel: Der durchschnittliche Monatsverbrauch liegt bei 500 Litern. Um Schwankungen abzufedern, wird ein Sicherheitsbestand von 10 % aufgeschlagen.
Berechnung: 500 Liter + 50 Liter Puffer = 550 Liter Bestellmenge.
Tipp: Mithilfe der ABC-Analyse bestimmen Sie, welche Methode passt. Hochwertige A-Güter (Wirkstoffe) sollten deterministisch, günstige C-Güter (Schrauben) können stochastisch geplant werden.
Der Bedarfsermittlungsprozess folgt in der Regel fest definierten Schritten:
Wichtige Rollen in KMU sind hierbei die Produktionsleitung, die den Bedarf meldet, und der Einkauf, der die Beschaffung auslöst. Als Instrumente der Bedarfsermittlung dienen dabei ERP-Systeme.
Die enge Verzahnung von Bedarfsermittlung, Einkauf und Logistik ist essenziell, denn in der Prozessindustrie reicht es nicht, nur eine bestimmte Menge zu bestellen.
Besonderheiten sind:
Moderne Ansätze zur Bedarfsermittlung setzen auf fundierte Daten. Algorithmen erkennen saisonale Schwankungen, z. B. Krankheitswellen für Pharmaunternehmen, besonders zeitnah. Zudem fordern Regularien wie GMP (Good Manufacturing Practice) eine lückenlose Rückverfolgbarkeit. Eine manuelle Planung per Excel stößt hier schnell an ihre Grenzen.
Ein ERP-System automatisiert die komplexen Rechenvorgänge. Es kennt Rezepturen, aktuelle Lagerbestände, reservierte Chargen und offene Bestellungen. Eine wenig präzise Schätzung verwandelt sich so in eine verlässliche Planung. Mehr dazu im Artikel: ERP Bedarfsermittlung.
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