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Fertigungsplanung: Definition, Aufgaben und Best Practices für die Prozessindustrie

Zuletzt aktualisiert:
Ingenieure überwachen Prozesse an digitalen Anzeigen in einer Fabrikumgebung.

Zusammenfassung:

Fertigungsplanung gestaltet die Herstellprozesse von morgen: Sie definiert Abläufe, plant Ressourcen, Kapazitäten und sichert die Qualität. In der Prozessindustrie kommen Chargen- und Rezepturmanagement, CIP/SIP-Zyklen sowie QA-Gates hinzu. Produktionsplanung legt das Programm fest, Fertigungssteuerung setzt es operativ um. ERP, MES und APS unterstützen dabei, während Kennzahlen wie Termintreue, Durchlaufzeit und OEE den Erfolg messbar machen.

In diesem Artikel:

Fertigungsplanung ist oft zu Excel-lastig oder zu wenig integriert. Die Folge: Engpässe, unnötig lange Rüstzeiten, Lieferverzug und fehlende Transparenz. Doch gleichzeitig nehmen die Anforderungen zu: kürzere Durchlaufzeiten, mehr Variantenvielfalt, steigende Compliance-Auflagen.

Dieser Praxisleitfaden bietet eine klare Begriffsabgrenzung, ein strukturiertes Vorgehensmodell sowie relevante KPIs. Sie lernen, wie ERP, MES und APS ineinandergreifen und welche Besonderheiten für die Prozessindustrie gelten. 

Was ist Fertigungsplanung?

Die Fertigungsplanung umfasst alle Vorgänge zur Gestaltung zukünftiger Prozesse, Abläufe und Tätigkeiten der Herstellung. Sie definiert Arbeitsabläufe, ordnet Ressourcen und Materialien zu, plant Kapazitäten und Reihenfolgen und schafft die Voraussetzungen für eine termintreue, wirtschaftliche und qualitätsgerechte Produktion. In der Prozessindustrie kommen Chargen- und Rezepturplanung sowie CIP/SIP- und QA-Freigaben hinzu.

Doch Achtung: Der Begriff Fertigungsplanung wird häufig synonym mit Arbeitsplanung verwendet. Ihre Rolle im Unternehmen: Sie bildet das Bindeglied zwischen Entwicklung bzw. Konstruktion und der eigentlichen Fertigung oder Montage. Erst durch eine durchdachte Fertigungsplanung lassen sich Produktionsprogramme realistisch umsetzen. 

Wichtig ist auch die Abgrenzung weiterer verwandter Begriffe: Produktionsplanung, Fertigungsplanung und Fertigungssteuerung haben unterschiedliche Funktionen und Verantwortlichkeiten. 

Abgrenzung: Produktionsplanung vs. Fertigungsplanung vs. Fertigungssteuerung

  • Produktionsplanung: legt das Produktionsprogramm fest (was, wann, wie viel). 
  • Fertigungsplanung: gestaltet Prozesse, Abläufe, Ressourcen, Material- und Kapazitätslogik. 
  • Fertigungssteuerung: setzt operativ um (Freigabe, Monitoring, Rückmeldung, kurzfristige Anpassung). 
Begriff Kernaufgabe Typische Systeme
Produktionsplanung Programm erstellen, Mengen und Termine festlegen ERP (Programmplanung, MRP)
Fertigungsplanung Prozesse strukturieren, Kapazitäten und Material planen, Abläufe definieren ERP, APS (Advanced Planning & Scheduling)
Fertigungssteuerung Aufträge freigeben, Shopfloor steuern, Rückmeldungen erfassen, kurzfristig nachsteuern MES (Manufacturing Execution System)

Diese Dreiteilung hilft dabei, das passende System zu wählen und festzulegen, wer welche Entscheidungen trifft.

Aufgaben der Fertigungsplanung im Überblick

1. Ziele & Fertigungsverfahren festlegen:
  • Welche Produktionsart (Einzel-, Serien-, Chargenfertigung)?
  • Welche Qualitäts- und Kostenziele gelten? 
2. Produktionsabläufe strukturieren: 
  • Arbeitsfolgen definieren
  • Arbeitsplätze zuordnen
  • Prozessschritte dokumentieren.
3. Kapazitätsplanung & Kapazitätsabgleich 
  • Verfügbarkeit von Maschinen
  • Personal sowie Anlagen prüfen
  • Engpässe identifizieren. 
4. Materialbedarfsplanung
  • Stücklisten oder Rezepturen pflegen
  • Losgrößen bestimmen
  • Termine für Materialbereitstellung festlegen
5. Termin- & Reihenfolgeplanung (Feinplanung)
  • Aufträge sequenzieren
  • Rüst- und Reinigungszeiten berücksichtigen
  • Prioritäten vergeben
6. Qualitätssicherung integrieren
  • Prüf- und Freigabeschritte als feste Planungs-Gates einbauen
7. Monitoring & Reporting
  • Betriebsdaten erfassen
  • Soll-Ist-Vergleiche durchführen
  • Nachkalkulation ermöglichen
8. Kontinuierliche Verbesserung
  • Lean-Methoden
  • Digitalisierung
  • Simulation
  • KI-gestützte Optimierung nutzen
Die folgende Tabelle ordnet Aufgaben den Verantwortlichen und Systemen zu:
Planungsaufgabe Rolle ERP/MES/APS
Ziele & Verfahren Produktionsleitung, Prozessmanagement ERP (Stammdaten, Strategiemodule)
Arbeitsabläufe strukturieren Arbeitsvorbereitung, Industrial Engineering ERP (Arbeitspläne, Routings)
Kapazitätsplanung Produktionsplanung, Supply Chain ERP, APS (Kapazitätsabgleich, Simulation)
Materialbedarfsplanung Einkauf, Materialwirtschaft ERP (MRP, Rezepturmanagement)
Reihenfolgeplanung Feinplanung, Shopfloor-Koordination APS, MES (Sequenzierung, Optimierung)
QA-Integration Qualitätsmanagement MES, QM-Module (Prüfpläne, Freigaben)
Monitoring & Reporting Controlling, Produktionsleitung MES, BI-Tools (KPI-Dashboards)
Kontinuierliche Verbesserung Lean-Teams, Process Excellence alle Systeme + Analytics/KI

Kapazitätsplanung: stabil planen statt „Feuerwehrmodus"

Kapazitätsplanung ermittelt die zeitliche Verfügbarkeit von Maschinen, Anlagen und Personal und prüft, ob diese ausreicht, um geplante Aufträge termingerecht zu erfüllen. Sie gleicht den geplanten Bedarf mit verfügbaren Ressourcen ab. So schafft sie es, zu verhindern, dass Aufträge freigegeben werden, die nicht produziert werden können. 

Typische Inputs bei der Kapazitätsplanung sind Anlagenverfügbarkeit (Betriebszeiten, Wartungsfenster), Schichtpläne und Personalkalender, Rüstzeiten sowie Umrüstvorgänge. Wichtig: Je nach Fertigungsart kommen zusätzliche Anforderungen hinzu. 

  • Diskrete Fertigung: Rüst- und Umrüstvorgänge sind die größten Zeitfresser. 
  • Prozessfertigung: Zusätzlich zu Rüstzeiten kommen CIP/SIP-Zyklen, Chargengrößen, Kampagnenlogik und QA-Freigaben hinzu. 

3 häufige Kapazitätsfallen:

  1. Plan ohne Rüst- oder Reinigungszeiten führt zu unrealistischen Terminen 
  2. Plan ohne Personalkalender führt zu Engpässen an Schichtwechseln oder in Urlaubszeiten 
  3. Beim Plan ohne Engpasslogik (Bottleneck) bestimmt der langsamste Prozessschritt den Takt. 

Die Kapazitätsplanung sollte zudem nicht einmalig, sondern rollierend erfolgen. Nur so lassen sich Engpässe frühzeitig erkennen und Maßnahmen rechtzeitig einleiten.

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Materialbedarfs- & Reihenfolgeplanung – vom Stück zur Charge

Die Materialbedarfsplanung sorgt dafür, dass alle benötigten Rohstoffe, Halbfabrikate und Verbrauchsmaterialien rechtzeitig verfügbar sind. In der diskreten Fertigung basiert sie auf Stücklisten, in der Prozessindustrie auf Rezepturen respektive Herstellvorschriften.

Die Reihenfolgeplanung hingegen (Feinplanung) legt fest, in welcher Sequenz Aufträge in der Produktion abgearbeitet werden. Sie berücksichtigt:

  • Rüst- und Reinigungszeiten 
  • Engpassressourcen
  • Prioritäten und Liefertermine
  • Eigenschaften der Produkte 
  • In der Prozessindustrie zusätzlich: Kampagnenwechsel, Haltbarkeitsfristen, CIP/SIP-Zyklen 

Für zusätzliche Unterstützung greifen Unternehmen auf APS- und MES-Systeme zurück. Sie können dabei helfen, verschiedene Szenarien zu simulieren und die optimale Reihenfolge zu finden. 

Reihenfolgeplanung: Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Erstellen Sie eine Auftragsliste: Darin erfassen Sie Mengen, Termine und Prioritäten.
  2. Prüfen Sie die Ressourcenverfügbarkeit: Gleichen Sie hierfür Maschinen, Personal und Material ab. 
  3. Berücksichtigen Sie Rüst-/Reinigungs-/Sterilisationszeiten: Nur so ist es möglich, realistische Zeitfenster einzuplanen. Diese können in der Herstellvorschrift hinterlegt und automatisch berücksichtigt werden. 
  4. Simulieren Sie Szenarien: Nutzen Sie APS oder MES, um verschiedene Abfolgen durchzuspielen. 
  5. Finalisieren Sie den Plan und geben Sie ihn frei: Dafür wählen Sie zunächst die passendste Variante aus und übergeben die Aufträge ans MES. 
  6. Setzen Sie Monitoring und steuern Sie bei Bedarf kurzfristig nach: Indem Sie den Status-quo im Blick behalten, können Sie bei Störungen oder Lieferverzug schnell reagieren. 

Sonderfall Prozessfertigung: Diese Besonderheiten gelten

Die Prozessindustrie unterscheidet sich in mehreren Punkten von der diskreten Fertigung. Um sicher herzustellen, ist es wichtig, folgende Besonderheiten zu berücksichtigen: 

Chargen- & Rezepturmanagement 
In der Prozessindustrie werden Produkte oft in Chargen gefertigt. Jede Charge erhält eine eindeutige Nummer, über die sich alle verwendeten Rohstoffe und Prozessparameter zurückverfolgen lassen. 

Rezepturen sind damit das Pendant zur Stückliste. Sie definieren:

  • Welche Rohstoffe in welcher Menge verwendet werden
  • Welche Prozessparameter (Temperatur, Druck, Dauer) gelten
  • Welche Varianten oder Ersatzrohstoffe möglich sind

CIP/SIP & QA-Freigaben für Pharma und Food

  • CIP (Cleaning in Place): CIP meint die Reinigung von Anlagen, ohne sie zu demontieren. Dieses Vorgehen ist planungsrelevant, da CIP-Zyklen Zeit beanspruchen und zwischen Produktwechseln stattfinden müssen.
  • SIP (Sterilization in Place): SIP meint die Sterilisation von Anlagen, ebenfalls ohne Demontage. Dieser Prozess ist besonders in den Branchen Pharma und Lebensmittel wichtig.
  • Beachten Sie: Für beide Prozesse gilt es, ausreichend große Zeitfenster vorzusehen. Zudem ist es wichtig, Validierungsdokumente und QA-Gates vor der Auslieferung einzuplanen.

Haltbarkeits- & Gefahrstoffmanagement für Food und Chemie 
In der Lebensmittelindustrie gelten MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum) und FEFO-Logik (First Expired, First Out). Sie müssen zudem Sperrbestände und Frische-Kriterien in der Planung berücksichtigen. In der Chemiebranche kommen zusätzlich strenge Gefahrstoffvorgaben hinzu und Umwelt- sowie Sicherheitsauflagen wirken als Planungsrestriktionen. 

Regulatorische Anforderungen
Regulierte Branchen wie Pharma, Biotechnologie und Medizintechnik unterliegen strengen Dokumentationspflichten. Diese umfassen unter anderem:

  • Audit Trail: lückenlose Nachverfolgung aller Änderungen
  • E-Signatur: rechtssichere digitale Unterschriften
  • Validierung: Nachweis, dass Systeme und Prozesse wie vorgesehen funktionieren 

Als relevante Regelwerke gelten dafür: 

  • FDA 21 CFR Part 11 
  • EU GMP Annex 11
  • ISO 13485 
Branche Planungsrelevante Anforderungen
Lebensmittel Rückverfolgbarkeit, MHD/FEFO, CIP, QA-Freigaben, Allergenkennzeichnung, Inhaltsstoffe
Kosmetik Chargenverfolgung, Rezepturvarianten, CIP, Haltbarkeit, Inhaltsstoffe
Chemie Gefahrstoffmanagement, Umweltvorgaben, Sicherheitslogik, Chargendokumentation
Pharma Audit Trail, E-Signatur, Validierung, CIP/SIP, QA-Gates, GMP-Konformität
MedTech ISO 13485, Rückverfolgbarkeit, Validierung, Sterilisation (SIP), Dokumentationspflichten

Ein spezialisiertes ERP für die Prozessindustrie bildet dabei die zentrale Grundlage, um diese Besonderheiten durchgängig zu planen, umzusetzen und regelkonform zu dokumentieren.

Kennzahlen & KPIs in der Fertigungsplanung

Ohne Kennzahlen bleibt die beste Fertigungsplanung ein reines Bauchgefühl. Erst gute KPIs machen Erfolg messbar und zeigen Ihnen auf, wo Optimierungsbedarf besteht. 

Zentrale Kennzahlen: 

  • Termintreue: Anteil der Aufträge, die pünktlich fertiggestellt werden
  • Durchlaufzeit: Zeit vom Auftragsstart bis zur Fertigstellung
  • Bestände: Höhe der Lager- und Umlaufbestände
  • Servicegrad: Lieferfähigkeit (Anfragen vs. erfüllte Lieferungen) 
  • OEE (Overall Equipment Effectiveness): Anlagenverfügbarkeit × Leistung × Qualität. Die Overall Equipment Effectiveness setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen: 
    • Verfügbarkeit: geplante Betriebszeit vs. tatsächliche Betriebszeit (inkl. Störungen, Wartung) 
    • Leistung: theoretische Maximalleistung vs. tatsächliche Leistung 
    • Qualität: Gutteile vs. Gesamtproduktion 

Auch bei den KPIs gibt es Besonderheiten in der Prozessindustrie. Dazu zählen besonders: 

  • Haltbarkeitsbezogene KPIs wie die durchschnittliche Restlaufzeit bei Auslieferung 
  • Compliance-/QA-KPIs wie der Anteil termingerechter QA-Freigaben 

Die folgende Tabelle ordnet Planungsziele und KPIs zu: 

Ziel KPI Interpretation/Typischer Hebel
Termintreue steigern Termintreue (%) realistische Kapazitätsplanung, Pufferzeiten, Engpasslogik
Durchlaufzeit senken Durchlaufzeit (Tage/Stunden) Rüstzeiten reduzieren, Wartezeiten minimieren, Kampagnenlogik
Bestände reduzieren durchschnittlicher Lagerbestand (Wert/Menge) bedarfsorientierte Produktion, kleinere Losgrößen, FEFO
Servicegrad erhöhen Lieferfähigkeit (%) Verfügbarkeit sichern, Engpässe vermeiden, Flexibilität erhöhen
Anlagenauslastung verbessern OEE (%) Verfügbarkeit, Leistung, Qualität separat analysieren und optimieren

Schritt-für-Schritt: In 10 Schritten zur robusten Fertigungsplanung

Die folgenden zehn Schritte bieten eine strukturierte Umsetzungslogik für Ihre Fertigungsplanung: 

  1. Ist-Analyse: Prozesse, Engpässe, Kapazitäten, Rezepturen und Qualitätsabläufe erfassen 
  2. Ziele definieren: Servicegrad, Termintreue, OEE, Kosten, Compliance-Ziele festlegen 
  3. Planungsaufgaben & Rollen strukturieren: Wer plant was? Wer gibt frei? Wer steuert nach? 
  4. Datenqualität sichern: Stammdaten, Zeiten, Bestände, Arbeitspläne prüfen und pflegen 
  5. Systemlandschaft definieren: ERP/MES auswählen, optional APS; Integrationen klären 
  6. Kapazitäts- & Materialbedarfsplanung etablieren: MRP-Läufe, Kapazitätsabgleich, Puffer einplanen 
  7. Reihenfolgeplanung + Simulation: Rüst-, CIP- und SIP-Zeiten optimieren, Szenarien durchspielen 
  8. QA- & Compliance-Schritte einplanen: Freigaben, Reviews, Nachweise als feste Gates integrieren 
  9. Schulung & Change Management: Key User identifizieren, Trainings durchführen, Akzeptanz schaffen 
  10. Monitoring & kontinuierliche Verbesserung: KPI-Loop einrichten, Lean-Methoden nutzen, Digitalisierung und KI prüfen 

Achtung, Gefahr: Häufige Fehler & Gegenmaßnahmen in der Feinplanung

Die Fertigungsplanung in Unternehmen scheitert oft an denselben Stolpersteinen. Hier sind die acht häufigsten Fehler und wie sie sich vermeiden lassen: 

  1. Excel ohne zentrale Datenbasis
    • Ist-Zustand: Daten in Unternehmen sind häufig verteilt, inkonsistent und nicht aktuell. 
    • Gegenmaßnahme: Einsatz einer integrierten ERP/MES/APS-Logik, sodass Stammdaten zentral gepflegt werden können
  2. Unzureichende Datenqualität
    • Ist-Zustand: Fehlende oder veraltete Arbeitspläne, Rezepturen und Zeiten ermüden die Güte der Daten.
    • Gegenmaßnahme: Konsequente Data Governance, Pflichtfelder, Prüfregeln und regelmäßige Reviews
  3. Kein Kapazitätsabgleich
    • .Ist-Zustand: Immer wieder werden Aufträge freigegeben, obwohl es an Kapazität fehlt
    • Gegenmaßnahme: Einsatz regelmäßiger Kapazitätsläufe, eingeplanter Puffer und einer Engpasslogik (1 Engpass)
  4. Reihenfolgeplanung ohne Rüst-/CIP-/SIP-Zeiten
    • Ist-Zustand: Es erfolgen unrealistische Terminzusagen.
    • Gegenmaßnahme: Hinterlegen eines Regelwerks für Rüst- und Reinigungszeiten sowie Anwendung von Simulationen
  5. „Silo-Planung" ohne QM/QA
    • Ist-Zustand: Qualitätsprüfungen werden nicht eingeplant und die Auslieferung verzögert sich.
    • Gegenmaßnahme: Einbauen von Freigabe-Gates und Schnittstellen zu QM-Systemen
  6. Compliance in regulierten Branchen missachtet
    • Ist-Zustand: Es fehlen Audit Trails und Validierungsnachweise
    • Gegenmaßnahme: Audit Trail, E-Signatur, Validierungsdokumentation von Anfang an mitdenken
  7. Mitarbeitende nicht eingebunden
    •  Ist-Zustand: Es fehlt an Akzeptanz im Team und es entstehen Widerstände.
    • Gegenmaßnahme: Key User frühzeitig einbinden, Trainings anbieten und einen transparenten Change-Plan erstellen
  8. Keine kontinuierliche Verbesserung
    • Ist-Zustand: Ihr System läuft, aber es wird nicht nachgesteuert.
    • Gegenmaßnahme: Einrichten von KPI-Reviews, Einführen eines Maßnahmen-Backlog und Definition der Ownership

Quick Wins: Der Schnellcheck für bessere Planung in 15 Minuten

Um in kurzer Zeit einen transparenten Überblick zu erhalten und Handlungsmaßnahmen ableiten zu können, stellen Sie sich folgende Fragen: 

  • Sind die Kapazitäten inklusive Wartung, Rüst- und Reinigungszeiten gepflegt? 
  • Sind die Stammdaten (Rezepturen, Stücklisten, Arbeitspläne) aktuell? 
  • Sind Engpassressourcen identifiziert und aktiv gesteuert? 
  • Erfolgt die Reihenfolgeplanung regelbasiert und simulierbar? 
  • Werden QA-Freigaben als feste Planungs-Gates berücksichtigt? 
  • Ist ein KPI-Set definiert und wird es regelmäßig reviewed? 

Praxisbeispiele: ERP, MES und APS im Einsatz

Fertigungsplanung lebt von der richtigen Systemunterstützung. Die folgenden drei Systemklassen haben dabei unterschiedliche Schwerpunkte: 

ERP (Enterprise Resource Planning): 

  • Materialwirtschaft, Rezepturen, Stücklisten
  • Aufträge, Bestände, Stammdaten
  • Programmplanung (MRP), grobe Kapazitätsplanung 

MES (Manufacturing Execution System): 

  • Ausführung auf Shopfloor-Ebene
  • Rückmeldungen, Maschinendaten, Qualitätsprüfungen
  • Echtzeitüberwachung, Soll-Ist-Vergleich 

APS (Advanced Planning & Scheduling): 

  • Feinplanung, Sequenzierung
  • Simulation, Szenarioanalyse, Optimierung
  • Berücksichtigung komplexer Restriktionen (Rüstzeiten, Engpässe, CIP/SIP) 
Aufgabe System Typischer Nutzen
Material- und Rezepturplanung ERP Bedarfsermittlung, Beschaffung, Bestandsführung
Kapazitätsabgleich (grob) ERP Übersicht, Engpässe frühzeitig erkennen
Feinplanung / Reihenfolgeplanung APS/MES Rüstzeitreduktion, realistische Termine, Szenarien
Freigabe & Ausführung MES Shopfloor-Steuerung, Rückmeldung, Transparenz
Qualitätsprüfungen MES, QM-Module Prüfpläne, Freigaben, Nachweise
Monitoring & KPI MES, BI-Tools Dashboards, Soll-Ist-Vergleich, Eskalation
Jedes einzelne System bietet seinen Mehrwert, um die Feinplanung bestmöglich umsetzen zu können. Doch der maximale Gewinn liegt in der Kombination: In der Praxis arbeiten die Systeme eng verzahnt. ERP liefert die Rahmendaten, APS optimiert die Reihenfolge, MES führt aus und meldet zurück.

Yaveon: Spezialist für die Prozessindustrie

Als Branchenanbieter für die Prozessindustrie zeigen wir typische Umsetzungslogiken in integrierten ERP-, Manufacturing- und Compliance-Szenarien. 

Use Case A: Chargenorientierte Fertigung (Lebensmittel, Kosmetik, Chemie)

Ein mittelständischer Hersteller von Naturkosmetik stand vor der Herausforderung, Rezepturen mit bis zu 30 Rohstoffen zu verwalten, Chargen lückenlos zurückzuverfolgen und Haltbarkeitsfristen (MHD) automatisiert zu überwachen. Zusätzlich waren QA-Freigaben vor der Auslieferung Pflicht. 

Lösungsansatz: 

  • Rezepturverwaltung mit Variantenlogik und Ersatzrohstoffen im ERP
  • Chargennummern automatisch vergeben, alle Rohstoffe und Prozessparameter dokumentiert
  • FEFO-Logik (First Expired, First Out) für Lagerbestände 
  • QA-Gates als feste Planungsschritte, elektronische Freigabe mit Audit Trail
  • KPI-Cockpit für Termintreue, Durchlaufzeit, OEE 

Use Case B: Regulierte Fertigung (Pharma, MedTech, Biotech) 

Ein Hersteller von Medizinprodukten musste FDA 21 CFR Part 11 und ISO 13485 erfüllen. Das bedeutete: lückenlose Dokumentation, E-Signatur bei Freigaben, Validierungsnachweise für alle Prozesse und Systeme. 

Lösungsansatz: 

  • Audit Trail für alle Änderungen an Rezepturen, Arbeitsplänen, Freigaben
  • E-Signatur-Workflows für QA-Freigaben und Chargenfreigaben
  • Validierungsdokumentation als Teil der Systemeinführung
  • SIP-Zyklen (Sterilization in Place) als feste Planungsblöcke 
  • Elektronische Batch Records (EBR) statt Papier 

Ergebnis: Audit-Readiness verbessert, Freigabeprozesse erleichtert, Papieraufwand reduziert. 

Die Use Cases zeigen: Integrierte Systeme, die Branchen-Know-how mitbringen, machen Fertigungsplanung stabiler, schneller und regelkonformer.

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Von Engpässen zu echten Planungsspielräumen

Die Use Cases zeigen, worauf es in der Prozessindustrie wirklich ankommt. In einer Demo oder einem Workshop erleben Sie praxisnah, wie sich stabile Fertigungsprozesse mit passgenauen Lösungen realisieren lassen.

FAQ

Was ist Fertigungsplanung?

Fertigungsplanung umfasst alle Vorgänge zur Gestaltung zukünftiger Herstellungsprozesse. Sie definiert Arbeitsabläufe, ordnet Ressourcen zu, plant Kapazitäten und Reihenfolgen und schafft die Voraussetzungen für termintreue, wirtschaftliche und qualitätsgerechte Produktion. 

Was ist der Unterschied zwischen Fertigungsplanung und Produktionsplanung?

Produktionsplanung legt das Produktionsprogramm fest (was, wann, wie viel). Fertigungsplanung gestaltet die Arbeitsabläufe, Ressourcen und Kapazitäten, um dieses Programm umzusetzen.

Was ist der Unterschied zwischen Fertigungsplanung und Fertigungssteuerung?

Fertigungsplanung definiert Prozesse und Abläufe (Planung). Fertigungssteuerung setzt operativ um: Aufträge freigeben, Shopfloor überwachen, Rückmeldungen erfassen, kurzfristig nachsteuern (Steuerung).

Welche Aufgaben gehören zur Fertigungsplanung?

Typische Aufgaben der Fertigungsplanung sind: Ziele und Verfahren festlegen, Arbeitsabläufe strukturieren, Kapazitäten planen, Materialbedarf ermitteln, Reihenfolge festlegen, Qualitätssicherung integrieren, Monitoring einrichten, kontinuierlich verbessern.

Warum ist Kapazitätsplanung so wichtig?

Ohne Kapazitätsabgleich werden Aufträge freigegeben, die nicht produziert werden können. Die Folge: Lieferverzug, Stress, Überstunden. Kapazitätsplanung deckt Engpässe frühzeitig auf und ermöglicht realistische Terminzusagen.

Was ist Reihenfolgeplanung (Feinplanung)?

Reihenfolgeplanung legt fest, in welcher Sequenz Aufträge abgearbeitet werden. Sie berücksichtigt Rüstzeiten, Engpässe, Prioritäten, Liefertermine und (in der Prozessindustrie) CIP/SIP-Zeiten sowie Kampagnenlogik.

Was bedeutet OEE und wie setzt er sich zusammen?

OEE (Overall Equipment Effectiveness) misst die Anlageneffektivität. OEE = Verfügbarkeit × Leistung × Qualität. Ein OEE von 85 % gilt als Weltklasse, viele Unternehmen liegen bei 60 % oder darunter. 

Was ist der Unterschied zwischen Stückliste und Rezeptur?

Stücklisten werden in der diskreten Fertigung verwendet (z. B. Maschinen, Fahrzeuge). Rezepturen kommen in der Prozessindustrie zum Einsatz (z. B. Lebensmittel, Chemie, Kosmetik etc.). Rezepturen enthalten oft Prozessparameter (Temperatur, Druck, Dauer) und erlauben Ersatzrohstoffe.

Warum sind CIP/SIP in der Prozessindustrie planungsrelevant?

CIP (Cleaning in Place) und SIP (Sterilization in Place) sind Reinigungs- und Sterilisationsprozesse, die Zeit beanspruchen und zwischen Produktwechseln stattfinden müssen. Sie müssen als feste Zeitblöcke eingeplant werden, sonst werden Termine unrealistisch.

Welche Systeme unterstützen Fertigungsplanung am besten?

ERP für Programmplanung, Material, Rezepturen und Stammdaten. MES für Shopfloor-Ausführung, Rückmeldungen und Monitoring. APS für Feinplanung, Simulation und Optimierung. In der Praxis arbeiten alle drei eng verzahnt. 

Trust, Quellenlogik & interne Verlinkung

Transparenz schafft Vertrauen 

Dieser Beitrag wurde von Sebastian, Consultant mit Schwerpunkt Fertigungs- und Prozessoptimierung in der Prozessindustrie, erstellt. Die Inhalte basieren auf seiner Projekterfahrung im regulierten Umfeld sowie auf anerkannten Methoden der Arbeits- und Produktionsplanung. 

Was Sie in diesem Leitfaden finden, ist eine praxisbewährte Struktur, die wir in ERP-, MES- und APS-Projekten einsetzen: 

  • klare Begriffsabgrenzung (Produktionsplanung vs. Fertigungsplanung vs. Steuerung)
  • strukturierte 10-Schritte-Methodik
  • KPI-Logik inkl. OEE-Zerlegung
  • Tabellen zur Rollen- und Systemzuordnung
  • Quick-Check zur Selbsteinschätzung 

Quellenlogik: Worauf sich die Inhalte stützen 

Wir verzichten bewusst auf Link-Sammlungen und orientieren uns stattdessen an etablierten Fach- und Branchenstandards. 

  1. Methoden- und Fachgrundlagen der Arbeits- und Fertigungsplanung
    1. Richtlinien und Veröffentlichungen des REFA (Arbeitsgestaltung, Zeitwirtschaft, Prozessorganisation) 
    2. Richtlinien des VDI Verein Deutscher Ingenieure zur Produktionsplanung und -organisation 
  2. KPI- und OEE-Definitionen 
    1. Industrielle Standarddefinitionen für OEE (Verfügbarkeit × Leistung × Qualität) 
    2. Branchennahe Definitionen und Glossare, z. B. aus dem Umfeld von MPDV 
  3. Regulatorische Grundlagen
    1. FDA 21 CFR Part 11 (elektronische Aufzeichnungen & Signaturen) 
    2. EU GMP Annex 11 (computergestützte Systeme im GMP-Umfeld)
    3. ISO 13485 (QM-Systeme für Medizinprodukte) 

Wichtig: Diese Regularien definieren Anforderungen an Nachvollziehbarkeit, Audit Trail, Validierung und E-Signatur. Sie ersetzen jedoch keine projektspezifische Compliance-Prüfung. 

Autor Stefan Klammler

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Materialbedarfsplanung ist ein Systemansatz zur Planung und Verwaltung benötigter Materialien und Bauteile.

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